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Kapitel schlag mich tot: Tischsitten (IX)

„Boah,“ jammerte der kG, „Essn waar ja scho was Scheens, wemma hinddahea ned oiwei so foigfressn wad.“ Mit schmerzendem Bauch wand er sich auf seinem Stuhl. Unter dem unglaublichen Gewicht knackte das Holz des Stuhls ganz bedrohlich. „Hoppala, do wad i beinah no fom Schdui obegfoin,“ jammerte der kG, wobei er sich schier verzweifelt am Tisch festhalten wollte.
Was er allerdings nicht bedacht hatte, war, dass der Tisch aus einem Hogwarts-Ausverkauf stammte und deshalb ein Eigenleben führte. „You don’t get me! You don’t get me!“ rief der Tisch und sprang weg. „Saugribbe, greislichaaaaaa!“ schrie der kG und schlug mit voller Wucht auf dem Steinfußboden auf. Dem Fußboden war das natürlich vollkommen egal. Es juckte ihn ganz und gar nicht, ob nun ein kG auf ihm rumrutschte oder nicht. Dem kG hingegen war das ganz und gar nicht egal. Immerhin hatte er sich sein Steißbein verdammt geprellt. Vom unteren Hinterteil bis zum Nacken war er nun blau… und das ganz ohne Alkohol.
„Zefix, des ies ma aa no ned bassiad!“ stöhnte der kG. Und damit meinte er nicht die Tatsache, dass er hingefallen oder ohne Alkohol blau war, sondern dass ein Tisch ihm nicht folgte. Immerhin hatte er den berühmten „Tischlein-Deck-Dich“-Tisch entworfen. Er war der Herr der Tische, dem jeder Tisch alle nur erdenklichen Speisen auf den Tisch brachte, wann immer es ihn danach verlangte. Und nun verweigerte ihm ein popeliger Hogwarts-Tisch den Dienst? Ja wo kamen wir denn da hin?
„Do geh hea, Biaschal,“ sprach der kG. „Dia wead i zoang, wo da Baddl an Mosd hoid!“ Der kG zerrte den Hogwarts-Tisch zum angrenzenden Arbeitszimmer, in dem einige seiner Wundertische standen. Da gab es neben dem märchenhaften Tischlein-Deck-Dich-Tisch noch den Tisch, der sich selbst abräumte, ebenso den, der beim Essen von allein Kammermusik oder sonstiges spielte – je nach Geschmack und Laune der Menschen, die an ihm saßen, konnte man dann auch Soul oder Volksmusik oder Heavy Metal hören – und auch einen Partytisch, der nur Alkoholika trug und diese auch sogleich geöffnet oder richtig gemischt servierte.
Da alle seine wunderbaren Tische sprechen konnten, dachte sich der kG, dass es sinnvoll wäre, den Hogwarts-Tisch mit den übrigen zusammen zu bringen, um ihm klar zu machen, dass er es gar nicht besser hätte treffen können, als bei unserem Helden zu landen. Doch der Hogwarts-Tisch sträubte sich vehement. Er stemmte seine vier Beine in den Boden, was ihm aber auf dem glatten Untergrund nicht viel brachte. Bei der Tür hingegen hatte er mehr Glück: er spreizte die Beine, und der kG war nicht in der Lage, ihn durch die Türöffnung zu zerren.
Unser Held war zwar wegen der Widerspenstigkeit des Tisches sehr ungehalten, aber er wollte immer noch nicht zum letzen Mittel greifen. Daher rief er seine fabelhaften Tische der Reihe nach ins Esszimmer. „Paatiediesch! Bei Fuaß!“ Der angesprochene bearbeitete Holzklotz begab sich zu seinem Meister. „Was gibtsn, Chef?“ wollte der aus deutscher Eiche gefertigte Tisch wissen. „Fazäi dem Inslaffn-Diesch amoi, wia guads dia bei mia gähd,“ forderte der kG. Der Partytisch tat sein Bestes, doch der Hogwarts-Tisch verstand ihn nicht. Also rief der kG den nächsten Tisch zu sich. Doch auch der Tischlein-Deck-Dich-Tisch aus französischer Kiefer scheiterte: „Isch abö allös versucht, maître,“ meinte er, „abör diese Tisch weigört sisch, mier zuzuörän. Diesö Tisch ist einö typischö, verbohrtö Engländer!“ Der Sich-Selbst-Abräum-Tisch, der aus afrikanischem Teak gefertigt war, scheiterte auch kläglich, was aber hauptsächlich daran lag, dass der Engländer kein Afrikaans verstand. (Ich übrigens auch nicht, sonst würde ich das Gespräch wiedergeben!) Als letzter versuchte der Musik-Tisch sein Glück. Und er hatte tatsächlich Erfolg – was die Gesprächsaufnahme an sich angeht. Der Musik-Tisch war durch das Spielen der verschiedensten Musikrichtungen aus aller Herren Länder mit den unterschiedlichen Sprachen vertraut und beherrschte auch ganz leidlich Englisch. „Would you be so kind as to listen to me?” fragte er den Zaubertisch. Der aber, wie alle Engländer, gab sich pikiert, dass ein so popeliger Tisch es wagte, ihn überhaupt anzusprechen. „Are you talking to me?“ wollte er wissen. Doch weiter war aus ihm nichts herauszubekommen. Der Hogwarts-Tisch rümpfte die Nase und verweigerte jede weitere Aussage.
Nun war guter Rat teuer. Der Rat-Dealer ließ sich seine Dienste auch wirklich sehr, sehr gut bezahlen. Die Idee war folgende: Unser kG sollte alles Wissenswerte aus dem Zaubertisch herauskitzeln, wobei diese Androhung von Kitzeln zugleich ein perfektes Drohmittel für alles Übrige sein sollte. Der kG konnte sich auf die Worte des Orakels zunächst keinen Reim machen: „Wos soi i iats blos mocha? Des ies doch ois zum … äh … kudan.“ Er setzte sich an seinen Schreibtisch. Irgendetwas in seinem Kopf flüsterte: „Familie Wudworm, Familie Wudworm.“ Was sollte aber Familie Wudworm… Und da wusste er endlich, was er zu tun hatte.
Aus seiner Schreibtischschublade nahm er eine Metallbox, die von den Ausmaßen her etwa 15cm lang, 15cm breit und 5cm hoch war. Darin lebte Familie Wudworm. Als er die Box aufmachte, kam ihm gleich ein Geschwirr von hohen Stimmchen entgegen: „Na endlich! Denkst du mal wieder an uns?“ … „Uns ist im Moment ganz schön langweilig!“ … „Sollen wir wieder was verzieren?“ … „Weißt du eigentlich, dass wir Nachwuchs haben?“ … „Ja, genau, wir sind jetzt schon 180 Leute!“ … „Und die Jungen wollen auch was lernen!“ … „Wann bekommen wir eigentlich eine weniger miefige Box?“ Und so weiter, und so fort.
„Eiso, Wudwoams, i brauch eia Hilfe. I hob an Schbedsjalaufdrog fia eich. Wo isn eia Kabbo?“ Ein kleines Würmchen wand sich den Weg durch seine Familie. Wie der geneigte Leser sicher längst schon erraten hat, handelte es sich bei der Familie Wudworm natürlich um einen äußerst aggressiven, aber doch sehr kreativen und künstlerisch veranlagten Stamm von Holzwürmern. Der Herr der Tische gebrauchte sie sehr gerne, um einen neuen Tisch auf alt zu trimmen oder feinste Musterungen nach speziellen Vorlagen in einen Tisch zu masern. „Was müssen wir denn machen?“ wollten die kleinen Kerlchen wissen. „Eiso,“ sagte der kG, „i hob ma do an wahnsinnig wiedaschbensdign Diesch kaffd, dea lossd ned mied se reen. Und ia soidsn iats a weng kiddsln, filleichd undda da Dieschbladdn, wo mas ned glei siggd. Oba lossds me zeaschd nommoi säiba mied eam reen, ia hadds hoid mei ledsds Druggmiddl.“
Nach dieser Einweisung schloss er die Metallbox – nicht ohne erhebliches Murren seitens der Metallboxbewohner – und ging zum Hogwarts-Tisch. „So, du Saugribbe, i gieb da iats no oa Schans, dassd de gscheid auffiasd. Foisd des ned duasd, muas i zu andane, häaddane Middl greiffa.“ Der Zaubertisch aber lachte ihn aus: „I don’t fear your axe! You little, fat – uhm – whatnot!“ Der kG wunderte sich sehr, hatte er heute doch gar keine Zeit gehabt, sein Deo aufzusprühen – und wieso sollte sich ein Tisch auch vor einem Deo fürchten? Der Musiktisch klärte ihn aber auf, dass der Engländer eine Axt und nicht das aus der Werbung allseits bekannte Duftmittelchen gemeint hatte. Der kG lachte: „A Axd? Du debbada Diesch moansd wiaggle, dass i, da Hea fo de Diesch, so bläd bin und oiwei no moan, dass ma an Diesch domied dazua bringd, dassa duad, wos ma sogd? Naa, naa, Biaschal, i hob mei Leagäid scho zoid. I kenn mi aus!“
Und mit diesen Worten nahm er die Metallbox. Der Tisch aus Hogwarts lachte immer noch, doch als der kG den Deckel hob und aus der Box die hohen Stimmchen ertönten, fing der Tisch zu zittern an. „No, please, don’t hurt me!“ wimmerte der Engländer und galoppierte durchs Zimmer. „So, iats auf oamoi gähd da s’Bräsal, ha?“ triumphierte der kG. „Des häddsd eimfacha ham kenna, wennsd ma fo Anfang o gfoigd häddsd. I wui da doch nix Bäs. Bleib schdeh!“ Doch der Hogwarts-Tisch war so in Panik, dass er nicht aufhörte, im Raum herumzurennen. Erst die anderen sagenhaften Tische, die sich dem panischen Zaubertisch in den Weg stellten, konnten ihn zur Ruhe bringen. „Don’t hurt me, don’t hurt me, don’t hurt me…“ war alles, was der Hogwarts-Tisch vor sich hin murmelte. Endlich konnte der kG mit ihm sprechen, und wie sich herausstellte, verstand der Zaubertisch sehr wohl alle wichtigen Amtssprachen, vor allem das Bairische. Nachdem der kG seine Herrschaft klargestellt hatte – als Druckmittel dienten ihm abermals die Wudworms -, fügte sich der Tisch mit Freuden in seine neue Umgebung.
Der kG aber gönnte sich endlich sein wohlverdientes Bier. Und während er so da saß und den Verschluss der Flasche betrachtete, dachte er: „Wia fui Zaggn hod eingdlich a so a Kronkoagn?“ Er fing an zu zählen und kam auf 21 Zacken. Dies führte aber unseren Helden weiter zu der Frage, ob denn jeder Kronkorken auf der Welt ebensoviele Zacken hätte. Doch ihm war auch klar, dass er sich blöd zählen würde, wenn er das bei jedem Verschluss machen würde. Es musste eine Lösung für dieses Problem her. Und nachdem er einige Zeit nachgedacht und seine bayrische Brause getrunken hatte, hatte er die Lösung und somit ein neues Projekt gefunden: er würde eine Kronkorkenzackenzählmaschine bauen!
19.2.07 18:07
 


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